Willow ist verschlafener Ort mit verwegenen Träumen: Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war es das Gold. Im darauffolgenden Jahrhundert schickte sich Willow an, Alaskas Hauptstadt zu werden. Die hochfliegenden Träume sind ausgeträumt, vom „Größenwahn“ ist noch einer übrig: der Mount McKinley, Nordamerikas höchster Berg. Wer auf dem George Parks Highway in Richtung Norden fährt und bei Mile 69 nach Willow kommt, hat von dieser 2142-Einwohner-Gemeinde aus den ersten umwerfenden Blick auf den 6194 Meter hohen Giganten. An klaren Tagen beherrscht der Weiße Riese die Skyline von Willow und verleiht der sonst eher schmucklosen Gemeinde eine unvergleichliche Note.
Willow empfiehlt sich als erstklassiges Freizeitparadies. Lodges, Touranbieter und Bootsvermieter nehmen sich der Gäste an. Der Mount McKinley vor Augen macht Appetit auf Flightseeing-Touren zu Alaskas Super-Berg. Viele Besucher lassen sich auch zur Bärenbeobachtung, zum Rafting oder zum Fischen in die Wildnis fliegen.
Willow auch eine Hundeschlitten-Hochburg. Viele Dog Musher leben hier mit ihren Hundeteams, viele davon nehmen jedes Jahr am Iditarod Trail Sled Dog Race nach Nome teil, dem mit 1800 Kilometern längsten und härtesten Hundeschlittenrennen der Welt. In Anchorage ist lediglich der Ceremonial Start, ein großes Showspektakel mit großen Medien-und Prominenten-Auflauf. Doch dann werden die Teams nach Willow gebracht, wo es am Tag darauf, jeweils am ersten Sonntag im März, richtig zur Sache geht. Im Sommer können Besucher bei Führungen durch die so genannten Kennels mehr über die Arbeit mit Schlittenhunden erfahren, bevor es im Hundeschlitten (auf Rädern) auf flotte Fahrt geht.
Mit seinen fischreichen Flüssen und Seen ist die Gegend um Willow ein Paradies zum Fischen, Bootfahren und Campen. Im Mat-Su Convention and Visitors Bureau finden Besucher Infos zu Übernachtungsmöglichkeiten und können Floßtrips zum Angeln reservieren. Auf Flüssen wie dem Willow River, Montana River, dem Clear Creek oder den viel größeren Flüssen Susitna und Talkeetna River beißen prächtige Forellen an.
Wie so viele Gemeinden in Alaska begann auch Willow als eine Zeltstadt, die 1897 infolge der Goldfunde im Willow Creek aus dem Nichts hochgezogen wurde. Alles musste schnell gehen: Ein erster Trail zu den Goldfeldern wurde errichtet, dann der Talkeetna Trail, der Vorgänger des Parks Highway. Spätestens jetzt war es in Willow mit der Ruhe vorbei. Jede Menge Lastenfahrzeuge und Postboten mit ihren Hundeschlitten und Packpferden bevölkerten das Städtchen. Der neue Trail ermöglichte auch den Zugang zur Alaska Railroad. Im Nu rückten ganze Trupps von Bauarbeitern an, die mit der Konstruktion der Eisenbahn beschäftigt waren. Viele von ihnen ließen sich hier nieder. Bereits 1920 bekam Willow einen eigenen Bahnhof.
Als in den 1940er Jahren der Gold Rush in dieser Gegend vorüber war, verkam Willow zur Geisterstadt. Der Bau des Parks Highway im Jahr 1972 bescherte dem Ort ein Comeback. Vier Jahre später ging es hier richtig hoch her, als Willow als neuer Stadtort von Alaskas Hauptstadt im Gespräch war. Der Plan sah vor, die Hauptstadt von Juneau nach Willow zu verlegen. 1982 wurde das Umzugsprojekt aus Kostengründen abgeschmettert, Juneau blieb Alaskas Hauptstadt und Willow durfte weiterträumen.