Der Elliott Highway, der sich von Fairbanks aus 244 Kilometer nach Norden erstreckt, hat es in sich: Nach 117 Kilometern ist die Asphaltstraße zu Ende, die verbleibenden 127 Kilometer geht es überwiegend auf Schotter weiter. Der Lohn der Rumpelfahrt heißt Manley Hot Springs und empfängt die durchgerüttelten Autofahrer am Ende des Highway zwischen Hot Springs Slough und dem Tanana River – eine winzige Siedlung mit 77 Einwohnern, gepflegten Blockhäusern und üppigen Gärten.
Das Hot Springs Resort Hotel von einst gibt es nicht mehr. Aber die heißen Quellen sprudeln noch ohne Unterlass. In einem Gewächshaus sind drei Becken mit Quellwasser untergebracht. Das Gewächshaus selbst ist ein für Alaska völlig untypisches Tropenparadies, in dem Trauben, Pfirsiche und Hibiskus gedeihen. Die Quellen sind auch für Besucher zugänglich – eine Wohltat nach der anstrengenden Autofahrt auf dem Elliott Highway.
Etwa fünf Kilometer davon entfernt ist der Tanana River, der ein Stück weiter mit dem Yukon River zusammenfließt. Mit dem Charterboot kann man flussaufwärts zum Fischen aufbrechen und Lachse sowie andere einheimische Fische aus dem Wasser ziehen.
Die Anfänge von Manley Hot Springs gehen auf das Jahr 1902 zurück, als der Goldgräber John Karshner auf seinem abgesteckten Land mit dem Gemüseanbau begann. Etwa zu selben Zeit traf die U.S. Army in der Gegend ein, um eine Telegrafenstation und einen Handelsposten für die Goldgräber im Eureka und Tofty Mining District zu errichten. In Baker's Hot Springs, wie der Fleck damals hieß, entstanden ein Roadhouse und Farmen, auf denen Vieh gezüchtet, zu Fleisch verarbeitet und verkauft wurde. 1907 wurde das Hot Springs Resort Hotel eröffnet.
Das vierstöckige Resort wurde von Frank Manley erbaut und verblüffte seine Gäste mit einer erstaunlichen Ausstattung. Wer hätte in dieser abgelegenen Gegend ein Hotel erwartet, das mit 45 Gästezimmern, Dampfheizung, elektrischem Licht, Bädern mit heißem Wasser, Bar, Billardraum und einer Bowlingbahn ausgestattet war? Oder einem riesigen Indoor-Swimmingpool mit olympischen Maßen, der mit dem Wasser aus den heißen Quellen gespeist wurde? Im Sommer reisten die Gäste mit dem Dampfschiff auf dem Tanana River an. Im Winter kamen sie nach einer zweitägigen Kutschfahrt von Fairbanks. Die Einwohnerzahl war auf 500 angewachsen, als das überaus erfolgreiche Resort im Jahr 1913 bis auf die Grundmauern niederbrannte. Auch das Goldfieber war zu der Zeit am Abklingen. Der Ort wurde 1957 in Manley Hot Springs umbenannt. Durch den Ausbau des Elliott Highway zu einer ganzjährig benutzbaren Verkehrsader erlebte der Ort im Jahr 1982 eine kleine Wiedergeburt.
Heute ist Manley Hot Springs ein unaufgeregtes Dorf. Die Einwohner bestreiten ihren Lebensunterhalt großenteils als Jäger und Fischer. Das 1906 gebaute Manley Roadhouse gehört zu Alaskas ältesten Roadhouses. Es hat einige Gästezimmer und eine kleine Ausstellung mit historischem Goldgräber-Equipment. Früherer Besitzer des Roadhouse war Daniel Green. Er war einer der Hundeschlittenführer, die 1925 das dringend benötigte rettende Diphterie-Serum nach Nome brachten. Auf diese hochdramatische Rettungsaktion geht das berühmte Iditarod-Hundeschlittenrennen zurück.